Diese Website verwendet Cookies. Warum wir Cookies einsetzen und wie Sie diese deaktivieren können, erfahren Sie unter Datenschutz.
Zum Hauptinhalt springen

Rede zur aktuellen Stunde "Aktuelle Ausbildungssituation in Thüringen"

Sehr geehrter Herr Präsident,

liebe Besucher*innen,

liebe Zuhörer*innen am Live-Stream,

liebe Kolleg*innen,

 

in der letzten Woche wurde der 10. Ausbildungsreport der DGB-Jugend vorgestellt. Diesem liegen die persönlichen Erfahrungen von Auszubildenden zu Grunde, die sonst in dieser Weise nicht zu Wort kommen. Befragt wurden dabei bundesweit 18.627 Auszubildende aus den 25 häufigsten Ausbildungsberufen.

Dieser Ausbildungsreport zeigt, dass bei allem Lob der dualen Berufsausbildung, in einigen Berufen noch erhebliche Mängel bestehen. Seit einem Jahrzehnt macht die DGB-Jugend mit ihrem Ausbildungsreport auf diese Mängel aufmerksam und leistet damit einen wichtigen Beitrag zur Ausbildungsqualität in Deutschland.

Erfreulicherweise sind die meisten Auszubildenden mit der Qualität ihrer Ausbildung zufrieden. Deutschlandweit gaben dies 71,5 % der Befragten an. Allerdings zeichnen sich hier erhebliche Unterschiede in den verschiedenen Branchen ab: Die schlechtesten Bewertungen kamen erneut von den angehenden Fachverkäufer*innen im Lebensmittelhandwerk und aus dem Hotel- und Gaststättengewerbe.

Im Gegensatz zum deutschlandweiten Trend ist der Ausbildungsmarkt in Thüringen in einer sehr komfortablen Lage. Dennoch waren Ende August immer noch 1.944 junge Menschen ohne einen Ausbildungsvertrag und zeitgleich 3.860 Ausbildungsstellen in Thüringen unbesetzt. Wie kann es sein, dass bei solchen Bedingungen immer noch junge Menschen ohne Ausbildungsplatz bleiben?

Die Liste der unbesetzten Ausbildungsstellen hat dabei große Ähnlichkeit mit der Liste der Ausbildungsberufe, die seit Jahren im Ausbildungsreport der DGB-Jugend schlecht abschneiden. Dazu zählt u. a. nach wie vor der Hotel- und Gaststättenbereich, der gerade für Thüringen einen unverzichtbaren Wirtschaftssektor darstellt. 

Unverändert sehen sich hier viele Auszubildende mit großen Belastungen konfrontiert. Überstunden, fachlich ungenügende Anleitung, eine unterdurchschnittliche Ausbildungsvergütung und das Gefühl, als billige Arbeitskraft ausgenutzt zu werden, bestimmen hier nach wie vor den Arbeitsalltag vieler Auszubildender.

Die Ausbildungszufriedenheit ist stark von der fachlichen Qualität geprägt. Diese wird bestimmt durch das Einhalten von Ausbildungsplänen sowie dem Ausmaß, in dem ausbildungsfremde Tätigkeiten absolviert werden müssen. So verwundert es nicht, dass Ende August in Thüringen auf 171 unbesetzte Stellen in der Gastronomiebranche lediglich 20 unversorgte Bewerber*innen kamen.

Denn junge Menschen meiden bewusst diese Ausbildungsberufe, bei denen sich die eklatanten schlechten Bedingungen längst herumgesprochen haben. Der sogenannte Fachkräftemangel ist folglich in vielen Bereichen ein selbstverschuldetes Problem.

Wollen sich Unternehmen aber im Wettbewerb behaupten, sind sie in allen Bereichen auf gut ausgebildete Fachkräfte angewiesen und diese benötigen auch eine qualitativ hochwertige Ausbildung. Häufig reicht schon das schlichte Einhalten bestehender Gesetze aus, um die Ausbildungszufriedenheit junger Menschen zu steigern. Ebenso ist die Verbesserung der Qualität auf betrieblicher Ebene entscheidend, doch dies gelingt nur durch ein Umdenken in den Unternehmen selbst.

Letztendlich muss es auch wirksamere Kontrollen zur Überwachung der Ausbildungsqualität geben. Verstöße und die Nichteinhaltung gesetzlicher Regelungen und Verordnungen sind keine Kavaliersdelikte. Die Kammern müssen mit dafür Sorge tragen, dass vor Ort die festgelegten Standards auch eingehalten werden. Doch gerade hier besteht ein zentrales Problem: Auf der einen Seite sind sie für die Kontrolle der Ausbildung zuständig – Auf der anderen Seite sind sie ein arbeitgeberfinanzierter Interessenverband. Diese Doppelstruktur führt häufig dazu, dass sie der Kontrolle der Ausbildung nur unzureichend nachkommen. Unabhängige Kontrollinstanzen könnten da ein Ausweg sein. Denn Auszubildende brauchen eine Beschwerdestelle, der sie auch vertrauen. Es bedarf eines Beschwerdemanagements, das die Auszubildenden tatsächlich in ihren Problemen ernst nimmt, ihnen Schutz gewährt und leicht zugänglich ist. Hier sind die Politik und die Gewerkschaften gleichermaßen gefragt. Sowohl die Vermittlung als auch die Qualität der beruflichen Ausbildung muss dringend verbessert werden, sonst verlassen noch mehr junge Menschen Thüringen ganz.

Die Landesregierung hat hier schon erste Zeichen gesetzt indem sie z. B. durch eine neue Berufsschulnetzplanung die Qualität der Berufsschulen in Thüringen anhebt oder die Richtlinie für die Fahrtkostenrückerstattung für Berufsschüler*innen fairer gestaltet.

Ich verspreche Ihnen, dass wir aber auch als Fraktion weiterhin alles geben werden, um die Qualität der beruflichen Ausbildung in Thüringen flächendeckend auf ein hohes, einheitliches Niveau zu bringen.

Für diese Arbeit ist der jährliche Ausbildungsreport unerlässlich. Daher möchte ich mich an dieser Stelle bei den unzähligen Teamer*innen der DGB-Jugend für Engagement bedanken. Ebenso möchte ich diese Gelegenheit nutzen, um mich bei den vielen jungen Menschen zu bedanken, die sich in den Jugend- und Auszubildendenvertretungen, als Betriebsrät*innen, in den Vertrauenskörperschaften oder den gewerkschaftliche Gremien engagieren. Denn sie sind es, die am Ende für eine gute Ausbildung stehen und sich einsetzen. Dafür gebührt ihnen mein, aber auch der Dank der gesamten LINKEN-Fraktion.

Vielen Dank.